Symbolik

Dschelaleddin Rumi (1207 - 1273)

Die Einleitung zu Rumnis großem Gedicht Mathnawi erzählt die Geschichte eines Beters, der zur Erkenntnis kommt..

"Oh Gott!" rief einer viele Nächte lang.
Und süß ward ihm sein Mund von diesem Klang
"Viel rufst du wohl" sprach Satan voller Spott
"Wo bleibt die Antwort - 'Hier bin ich von Gott?'
Nein, keine Antwort kommt vom Thron herab!
Wie lange schreist du noch 'Oh Gott', lass ab!"
Als er betrübt, gesekten Hauptes schwieg,
Sah er im Traum, wie Chidr* niederstieg
Und sprach: "Warum nennst du ihn denn nicht mehr?
Was du ersehnst, bereust du es so sehr?"
Er sprach: "Nie kommt die Antwort: 'Ich bin hier!'
So fürchte ich, Er weist die Türe mir!"
"Dein Ruf 'Oh Gott!' ist mein Ruf 'Ich bin hier!'
Dein Schmerz und Flehen ist Botschaft doch von mir,
Und all dein Streben, um mich zu erreichen -
Dass ich dich zu mir ziehe ist's ein Zeichen!
Dein Liebesschmerz ist meine Huld für dich -
Im Ruf 'Oh Gott!' sind hundert 'Hier bin ich!'"
* Chidr - ist der mythologische innere Führer des Menschen im Sufismus

Das ist die Liebe - zum endlosen Himmel nach oben fliegen, hundert Schleier auf einmal zerreißen, beim ersten Atemzug sich dem Leben ergeben, nach dem letzten Schritt ohne Füße weitergehen, die Welt als einen Traum betrachten, und nicht so, wie sie uns erscheint

Ihr sagt, er scheint verrückt zu sein - Das kommt daher, weil die Musik,
zu der er tanzt, für eure Ohren nicht geschaffen ist.

Mansur al-Halladsch - 857 bis 922

Al-Halladsch war ein eigenwilliger und unabhängiger Geist, der in mehrfacher Hinsicht gegen die zu seiner Zeit gängigen Ansichten und Verhaltensnormen verstieß. Durch exzentrisches Benehmen und angreifbare Äußerungen machte er sich bei den politischen und religiösen Autoritäten verdächtig. Seine Worte zeigen, dass er über die eng gefassten Glaubensmeinungen der Orthodoxie weit hinausgelangt ist.

In meinem Herzen kreisen alle Gedanken um Dich,
Anderes nicht spricht die Zunge als meine Liebe zu Dir.
Wenn ich nach Osten mich wende, strahlst Du im Osten für mich;
Wenn ich nach Westen mich wende, stehst vor den augen du mir.
Wenn ich nach oben mich wende, bist Du noch höher als dies;
Wenn ich nach Unten mich wende, bist Du das Überall hier.
Du bist, der allem den Ort gibt, aber Du bist nicht sein Ort;
Du bist in allem das Ganze, doch nicht vergänglich wie wir.
Du bist mein Herz, mein Gewissen, bist mein Gedanke, mein Geist,
Du bist der Rhythmus des Atmens; Du bist der Herzknoten mir.

Baba Kuhi von Shiraz - 980? bis 1050

Ist nicht so bekannt wie sein Schüler Hafiz. Sein Grab ist heute noch zu sehen in Shiraz. Obwohl kaum jemand seinen Namen kennt, hat seine Dichtung die Jahrhunderte überlebt.

Auf dem Markt, im Kloster überall sah ich nichts als ihn allein!
Im Tal und auf den Bergen überall sah ich nichts als ihn allein!
In Drangsalen sah ich ihn oft an meiner Seite,
auch im Wohlsein und im Glück ich sah nichts als ihn allein!
Im Gebet und beim Fasten, beim Lobpreisen und in der Kontemplation,
in der Religion des Propheten ich sah nichts als ihn allein!
Ich sah weder Seele noch Körper, noch Zufall, noch Wesen,
weder Eigenschaften noch Ursachen ich sah nichts als ihn allein!
Ich bin in seinem Feuer geschmolzen gleich einer Kerze
mitten in den ausbrechenden Flammen sah ich nichts als ihn allein!
Ich sah mich selbst deutlich mit meinen eigenen Augen,
aber wenn ich mit seinen Augen schaute sah ich nichts als ihn allein!
Ich verging zu Nichts, ich schwand dahin, und siehe:
Ich war das All-Lebende und ich sah nichts als ihn allein

Abu Bakr Shibli - 861 bis 946

Shibli hatte ein bewegtes Leben und litt Verfolgung, obwohl er sehr reich war. Am Ende wurde er in ein Asyl für Geisteskranke eingewiesen; obwohl viele sagten, er täusche die Geisteskrankheit nur vor.

Mein Leib schmolz von der Glut des Herzens,
mein Herz kann selbst nicht mehr besteh'n.
Löst oder bindet meine Fesseln was ihr auch tut, mir scheint es schön.
Die Leute wissen, dass ich liebe, allein, sie wissen doch nicht wen!