Symbolik

Johannes vom Kreuz - 1542 bis 1591

Getauft auf den Namen Juan de Ypes Álvarez. Juan de la Cruz schrieb, teilweise während seiner Zeit im Gefängnis, mehrere Bücher, die ihn bis heute unvergessen machen. Sein bekanntestes Gedicht ist "In dunkler Nacht".

1. In einer dunklen Nacht,
die Liebesglut - o glückliches Geschehen
zum Sehnsuchtsbrand entfacht,
entfloh ich ungesehen
und ließ mein Haus schon tief in Ruhe stehen.

2. Ich konnt' in Heimlichkeit,
vermummt, auf schmaler Treppe sicher gehen,
gedeckt von Dunkelheit -
o glückliches Geschehen!-
und ließ mein Haus schon tief in Ruhe stehen.

3. Sollt niemand meiner achten
in dieser Segensnacht;
auch wollte ich mir selbst kein Ding betrachten;
nichts andres führte mich,
als nur mein Licht im Herzen innerlich.

4. Dies hat mich hingeleitet,
Viel sichrer als das volle Licht am Tage,
wo er sich mir bereitet,
zu dem ich Liebe trage;
und kein Geschöpf uns dort zu stören wage.
5. O Nacht, die holder scheint
als Morgenrot, in ihren dunklen Falten
die Liebenden vereint,
bis göttliche Gewalten
die Liebste in den Liebsten umgestalten.

6. An meiner Brust, allein
für ihn erblüht, genoß er traute Rast;
hier schlief Er friedlich ein;
ich labte meinen Gast,
und Kühlung fächelte ein Zedernast.

7. Als schon der Morgenwind
sein Haar umspielte, fühlt' am Nacken streichen
ich Seine Hand, so lind;
dies traf mich ohnegleichen
und ließ mir alle Sinne süß entweichen.

8. Vergessen sog mich ein.
Ich blieb, das Haupt dem Liebsten angeschmiegt,
und ließ mein ganzes Sein
entschwinden. Eingewiegt
ist unter Lilien mein Gram versiegt.

Meister Eckhart - um 1260 bis 1325

Im Zentrum der Lehren Meister Eckharts steht der Gedanke einer unio mystica, der unmittelbaren Verbindung von Mensch und Gott, in der beide unterschiedslos eins sind. Glauben bedeute demnach das Bewusstwerden dieser Einheit mit Gott im Urgrund.

  • So gewaltig liebt Gott meine Seele, daß sein Wesen und sein Leben daran liegt, daß er mich lieben muß, es sei ihm lieb oder leid. Wer Gott das nähme, daß er mich liebt, der nähme ihm seine Gottheit.
  • Soll Gott gesehen werden, so muß es in einem Lichte geschehen, das Gott selbst ist. Das Auge, in dem ich Gott sehe, ist dasselbe Auge, darin mich Gott sieht - mein Auge und Gottes Auge ist ein Auge und ein Erkennen und ein Lieben.
  • Wahre und vollkommene Liebe soll man daran erkennen, ob man große Hoffnung und Zuversicht zu Gott hat; denn es gibt nichts, woran man besser erkennen kann, ob man ganze Liebe habe, als Vertrauen.
  • Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gegenüber steht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.
  • Die Liebe beginnt da, wo das Denken aufhört. Wir brauchen aber die Liebe von Gott nicht zu erbitten, sondern wir müssen uns für sie nur bereit halten.

Mechthild von Magdeburg - um 1207 bis 1282

Gilt als eine der bedeutendsten Mystikerinnen Mitteleuropas. Lebte in Magdeburg als Begine nach der Regel des Hl. Dominikus.

  • Das ist der Toren Torheit: Sie leben ohne Herzeleid.
  • Ich liebe meine irdischen Freunde als Gefährten der Ewigkeit.
  • Seele: du bist eine Lust meiner Gottheit, ein Durst meiner Menschheit, ein Bach meiner Hitze.
  • Ich, Gott, bin dein Spielgefährte. Ich werde das Kind in dir in wunderbarer Weise führen, denn ich habe dich ausgesucht.
  • “Die Liebe verleiht der Seele Größe, nicht die unmenschliche Anstrengung, denn die entspringt dem Eigenwillen. Die Größe der Seele entfaltet sich in der Liebe...
  • Von siebenfacher Vollkommenheit: Gerne ungeehrt, gerne ungefürchtet, gerne allein, gerne stille, gerne niedrig, gerne erhöht, gerne vereint.

Bernhard von Clairvaux - um 1090 bis 1153

War verantwortlich für die Ausbreitung des Zisterzienserordens in Europa. Mystiker und Kreuzzugsprediger

Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: Tu das immer. Ich sage nicht: Tu es oft.
Aber ich sage: Tu es wieder einmal.
Sei wie für alle anderen Menschen auch für dich selbst einmal da.

Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen,
als daß sie dich ziehen
und dich nach und nach an einen Punkt führen,
an dem du nicht landen willst.
Du fragst, an welchen Punkt?
An den Punkt, wo das Herz hart wird.